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Persönlichkeit
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Artikel aus "AK für SIE / Mitgliederzeitschrift der AK Wien / November 2010"

Mehr Mut zum klaren „Nein“

Unlösbare Aufträge, Überstunden ohne Ende? Viele trauen sich kaum, auch mal nein zu sagen. Experten ermuntern dennoch zum Widerspruch.

Astrid Hussl arbeitete 20 Jahre in der gleichen Firma in der Touristikbranche,als Kundenbetreuerin. Arbeiten am Feiertag war selbstverständlich. Sie war am 24. Dezember in der Firma – und dann gleich wieder zu Neujahr. Viele Dienstreisen gehörten zum Job. Und wenn von ihr verlangt wurde, statt des Nachmittagszugs den Nachtzug von Prag nach Wien zu nehmen, um so Arbeitszeit zu sparen, fügte sich die 56-Jährige auch diesem Wunsch aus dem Chefbüro. „Ich bin jedem Streit ausgewichen“, erinnert sie sich. „Im Inneren habe ich mich jedoch maßlos gegrämt, mich wie ein willenloser Roboter der Firma gefühlt.“ Die Erschöpfung spürte Sie dann im Urlaub. Kaum hatten die Ferien begonnen, bekam sie regelmäßig schwere Kreislaufprobleme.

Nie ein Nein macht krank.

Immer mehr Menschen können unter Druck im Beruf kaum noch Nein sagen.Die Wirtschaftskrise und die Angst um den Job haben das noch verschärft. Wenn der Chefspätnachmittags noch um die Erledigung eines Auftrags bittet, lautet die Antwort allzu schnell: „Selbstverständlich mache ich das“. Eine weitere Nachtschicht ist die Folge, das Familienleben wird immer mehr zur Nebensache. Aber auch die Arbeit selbst kann bei permanentem Dauerstress nicht mehr so gut erledigt werden. Am Ende ernten ausgerechnet die von allen Seiten nur noch Kritik, die es doch eigentlich allen recht machen wollen.


Susanne Schaaf, Trainerin für Konfliktmanagement unter anderem am Berufsförderungsinstitut bfi hilft Menschen mit Ja/Nein-Problemen in der Arbeit seit über zehn Jahren: „Das erledigt sich nicht von selbst“, warnt sie. Die Langzeitfolgen der dauernden Ja-Sagerei können Burnout, Schlaflosigkeit,bis hin zu körperlichen Beschwerden sein. „Man bekommt das klare Nein leider bereits in der Schule abgewöhnt“, so die Expertin. Deshalb holen bei ihr viele Kursteilnehmer nach, wie wichtig ein Nein sein kann.

Susanne Schaaf
rät Ihnen, erst einmal auf sich selbst zu hören. Wer weiß, warum es so schwer fällt, am Arbeitsplatz nein zu sagen, hat den ersten Schritt geschafft. „Machen Sie sich klar, welchen Preis Sie für ein Ja zahlen wollen“, rät sie. Denn jedes Ja zu einer Zusatzaufgabe bedeutet weniger Zeit für sich >selbst oder die Familie. Othmar Hill, Gründer der Wiener Personal- und Managementberatung Hill International, kennt auch die Haltung von Führungskräften. Und gerade deshalb ist er ein Verfechter des beherzten Neins. „Ja-Sager machen keine Karriere. Sie bleiben am Karriereweg stecken“, sagt er. Gewiss, der Chef bestimmt, was Sache ist: Ober sticht Unter. Aber ein Nein zeigt auch oft, dass jemand sehr genau über eine Sache nachgedacht hat. Fazit des Personalvermittlers: „Wer nicht lernt, Nein zu sagen, auf den greifen irgendwann alle zu.“

Durchbeißen im Alltag
Nicht Nein sagen können ist die eine, es jedem recht machen wollen ist die andere Seite der gleichen Medaille. Deshalb plädiert Hill sogar für ein gelegentliches kräftiges, Nein zum richtigen Zeitpunkt: „Nein jetzt absolut nicht.“ So ein Nein, das aus dem Bauch kommt, schafft Klarheit. Manchmal muss man sich im Arbeitsalltag auch durchbeißen“, so Hill. Das richtige Nein kann aber auch leise und bestimmt daherkommen: Mit guten Argumenten, warum es gerade jetzt nicht geht. Übung macht auch beim Nein-Sagen den Meister.
Astrid Hussl hat das mit Hilfe von Nein-Fachfrau Susanne Schaaf gelernt und einen Neustart geschafft. Sie ist jetzt in einer neuen Firma. Der 24. Dezember ist bereits für die Familie reserviert. Und das soll auch so bleiben.

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